Alibaba Cloud von Vodafone?

Vodafone ist recht spät ins Cloud-Computing-Geschäft eingestiegen, hat aber inzwischen ein Geschäftsmodell entwickelt, mit dem man sich im Markt positioniert. Dabei fokussiert sich Vodafone auf die Bereiche Datenerfassung bzw. Festnetz/Mobile Networking, Value Added Services und Datenhaltung/Computing entweder in einem Private- oder Public- bzw. Hybrid-Cloud-Ansatz.

source: Vodafone

Source: Vodafone

Im Bereich Public Cloud ist derzeit der chinesische Cloud-„Newcomer“ Alibaba der bevorzugte Partner. Die Alibaba Cloud Region Europa wird bei Vodafone in Frankfurt gehostet. Dazu unterhält Vodafone ein Colocation-Rechenzentrum bei E-Shelter in Frankfurt, so dass Failover- und Desaster-Recovery-Szenarien möglich sind, obwohl Alibaba in Europa derzeit keine weiteren Rechenzentren unterhält.

Die Partnerschaft zwischen Vodafone Deutschland und Alibaba wurde im November 2016 geschlossen. Inzwischen hat Vodafone über 340 Kunden von seinem Cloud-Angebot überzeugen können. Zu den Kunden zählen u.a. RLE International, ein Entwicklungs- und Service-Dienstleister für den Maschinen- und Anlagenbau, sowie die Doob Group, ein Dienstleister für High-End-3D-Services.

Dabei fungiert Vodafone als Client Frontend für Alibaba, d.h. Vertrieb, Client Service, Rechnungslegung etc. übernimmt Vodafone für den gesamten Vertragsumfang. Das bedeutet auch, dass Kunden eine monatliche Rechnung nach deutschem Recht bekommen – im Cloud-Computing-Umfeld leider noch immer keine Selbstverständlichkeit. Zudem steht den Kunden ein deutschsprachiger 24-Stunden-Telefonsupport zur Verfügung, welcher Vodafone vor allem für mittelständische Unternehmen attraktiv macht. Die Partnerschaft von Vodafone und Alibaba kann deutsche Kunden dabei unterstützen, ihr Geschäft nach China bzw. Asien zu erweitern. Dabei helfen spezifische Produkte, wie z.B. eine sichere Verbindung zu Rechenzentren in China ohne den kritischen „Paketverlust“ oder Lizenzunterstützung für deutsche Unternehmen, um in China einen Webshop zu betreiben.

Die Gründe, warum Vodafone und Alibaba sich für diese Partnerschaft entschieden haben, sind mehrschichtig:

  • Beide Unternehmen haben ein komplementäres Portfolio, d.h. es gibt keine Reibungsverluste bei der Serviceerbringung.
  • Vodafone brauchte einen Partner, der viel Public-Cloud-Kompetenz und Entwicklungsleistung insbesondere im PaaS-/AI-Umfeld mitbringt, um im deutschen und europäischen Markt erfolgreich im Cloud Computing aktiv werden zu können – eine Eigenentwicklung wäre mangels Expertise ein langwieriger und höchst kostspieliger Versuch gewesen.
  • Alibaba brauchte einen Partner, der einen breiten Zugang zu Kunden besitzt, selbst keine Public-Cloud-Ambitionen hat und in der Lage ist, mit komplementären Lösungen (Networking, Private Cloud) und einem umfassenden Kundenservice die Kundenbedürfnisse optimal zu befriedigen und den Kundenservice sicherzustellen.

Insgesamt scheint die Partnerschaft zwischen Vodafone und Alibaba optimale Voraussetzungen für ein erfolgreiches Wachstum und damit den beiderseitigen Erfolg im Markt zu bieten. Dennoch arbeitet Vodafone an einer weiteren Partnerschaft im Public-Cloud-Umfeld, um die Wahlmöglichkeiten für die Kunden zu erhöhen. Welche Auswirkungen dies auf die bestehenden Partnerschaften beider Parteien haben wird, bleibt noch abzuwarten.