Capgemini Deutschland wächst mit Digitalisierungsprojekten

Im Rahmen des jährlichen Analyst Day gewährte Capgemini einen kleinen Einblick in seinen Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres. Demnach ist das Unternehmen in Deutschland kräftig gewachsen – konkrete Zahlen wurden allerdings nicht genannt.

Gute Ergebnisse wurden in den Bereichen Management Consulting sowie Project Services rund um SAP-Landschaften erzielt. Auch die Nachfrage nach Application Development und Application Maintenance scheint ungebrochen – 20 Prozent Wachstum vor allem mit Bestandskunden stehen in diesem Bereich nach Einschätzung von PAC zu Buche.

Insgesamt legt die hiesige Dependance nach wie vor einen sehr starken Fokus auf das Projektgeschäft. Anders als die globale Organisation hat es die deutsche Niederlassung jedoch bislang versäumt, Kundenbeziehungen mit langfristigen Serviceverträgen etwa im BPO-Bereich in nennenswertem Umfang auszubauen. Dies wäre jedoch wichtig, um sich unabhängiger vom volatilen Projektgeschäft aufzustellen.

Der aktuelle Erfolg wird nicht zuletzt getragen von einer steigenden Nachfrage nach innovativen Themen rund um die Digitalisierung. Rund 30 Prozent des Umsatzes entstammen den Segmenten Cloud, Insight (Analytics) und Data. Den Schwerpunkt der Projekte in diesem Umfeld legen die Kunden vor allem auf die Verarbeitung von Daten. Die auf dem Analyst Day präsentierten Projekte etwa mit Munich Re und Bayer belegen diesen Trend. Ganz wichtig ist in diesem Kontext – das wurde mehrfach betont – die enge Kooperation von Capgemini mit dem IBM Watson IoT Center in München. Dahinter stehen nach PAC-Einschätzung bis dato noch keine signifikanten Umsätze, doch birgt das Thema sicherlich ein großes Umsatzpotential.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von Data Analytics ist es nur folgerichtig, dass Capgemini das Engagement in diesem Segment mit dem Angebot „Data Lake as a Service“ ausbaut. Die Idee hinter der Offerte ist, einen zentralen Pool für strukturierte und unstrukturierte Daten einzurichten. Darauf lassen sich dann unterschiedliche Analyse-Anwendungen aufsetzen, um den gesammelten Informationen ihren Mehrwert zu entlocken. Capgemini bietet die Lösung sowohl On-Premise als auch als Managed Service beziehungsweise im nutzungsabhängigen Abrechnungsmodell an. Dieses Offering ist in jedem Fall ein Herausstellungsmerkmal, denn etwas Vergleichbares konnten wir bei anderen Providern in dieser Form noch nicht sehen.

Den Kundenvortrag des diesjährigen Analyst Day steuerte die MAN-Tochter RIO bei. CEO Markus Lipinsky präsentierte eine digitale Plattform für die Transport-Branche, die markenunabhängig neue Möglichkeiten in der Logistik schaffen soll und dabei vor allem auf das Sammeln, die Analyse und die Bereitstellung von Daten baut. Eine einfache und anschauliche RIO-Anwendung zielt etwa darauf ab, freie Transportkapazitäten zu melden und zu nutzen. Laut Lipinski sind derzeit 20 Prozent aller LKW-Fahrten Leerfahrten. RIO möchte also zwischen freien Kapazitäten, Speditionen und dem Transportbedarf von Kunden vermitteln.

Auch das Platooning soll eines Tages laut Lipinksi mit allen an die RIO-Plattform angeschlossenen LKWs möglich sein. Platooning beschreibt das Fahren in LKW-Kolonnen, wobei nur das erste Fahrzeug von einem Fahrer gesteuert wird. In allen nachfolgenden LKWs können die Fahrer im Fahrzeug pausieren, da sie virtuell mit dem Führungsfahrzeug gekoppelt sind und selbsttätig fahren. Sobald das Führungsfahrzeug bremst, bremsen alle gekoppelten LKWs ebenfalls ab.

Neue LKWs der Volkswagen-Gruppe, also MAN und Scania, werden ab Werk RIO-fähig ausgeliefert. Alle anderen Fahrzeuge lassen sich mit einer RIO-Box nachrüsten, um von derartigen Services zu profitieren. Die Abrechnung erfolgt im Pay-per-use-Modell. Die RIO-Plattform ist offen und bietet auch Partnerunternehmen die Option, Zusatzdienste für RIO zu entwickeln. Mit jedem Dienst, so die Kalkulation der Betreiber, steigt natürlich die Attraktivität für Speditionen und Logistik-Kunden, sich der Plattform anzuschließen.

RIO ist für MAN sicher ein mutiger Schritt. In der Logistikbranche gibt es diverse Unternehmen, die ebenfalls mit Plattform-Ansätzen den Schritt in die Digitalisierung wagen. Ob sich RIO in diesem Umfeld durchsetzen wird, ist heute noch nicht absehbar. Vorteilhaft für RIO ist, dass die Plattform vergleichsweise umfangreiche Funktionalität anstrebt, indem sie sowohl Flotten-Management, Transport-Management als auch Fahrzeug-Management adressiert. Ob dieser Weg zum Erfolg führt, hängt nicht zuletzt von der Geduld und Investitionsbereitschaft des Mutterkonzerns MAN ab.

Capgemini begleitet Kunden allerdings nicht nur beratend auf dem Weg in die Digitalisierung. Auch der Provider selbst zeigt, wie sich Anbieter stetig transformieren müssen, um der sich wandelnden Nachfrage gerecht zu werden. So arbeiten angesichts von Digitalisierung, Cloud und DevOps interne Capgemini-Einheiten, wie etwa Infrastruktur- und Application-Services, deutlich enger zusammen als in der Vergangenheit. Zudem wird die Kooperation mit externen Partnern wie den Cloud-Hyperscalern oder IBM Watson, aber auch Kunden, ausgebaut, um die eigenen Leistungen zu ergänzen und beschleunigte Innovation zu ermöglichen.

Zu guter Letzt werden Automatisierung und künstliche Intelligenz nicht nur zunehmend Teil der eigenen Dienstleistungserbringung, z.B. im Application Management. Insbesondere durch die innerhalb der Business Services/BPO erlangten internen Erfahrungen kann Capgemini-Kunden verschiedenster Branchen bei der Geschäftsprozessautomatisierung mit Beratung, Entwicklung und Betrieb zur Seite stehen.