Maternas ÖV-Symposium 2018: Digitalisierung auf Nordrhein-westfälisch

Materna ÖV-Symposium NRW

 

Einblicke in die Digitalisierungsvorhaben der öffentlichen Verwaltung in NRW

Das 19. ÖV-Symposium des Dortmunder IT-Dienstleisters Materna bot interessante Einblicke in die Digitalisierungsaktivitäten im Land NRW. Aus meiner Sicht positiv: Die Zusammenarbeit zwischen kommunaler und Landesebene funktioniert gut, und auf Bürgerbeteiligung wird Wert gelegt.

Vor wenigen Tagen führte mich die Reise in die Fahrradstadt Münster, dem Austragungsort des 19. ÖV-Symposiums NRW. Wie der Name andeutet, stand das Bundesland Nordrhein-Westfalen im Zentrum. Die Veranstaltung rund um die Digitalisierung in öffentlichen Verwaltungen wurde organisiert vom Dortmunder IT-Dienstleister Materna in Zusammenarbeit mit Infora, der CIO-Stabsstelle des Landes NRW und den kommunalen Spitzenverbänden in NRW.

Sehr interessant war für mich gleich zu Beginn die Eröffnungs-Keynote des CIO des Landes NRW, Hartmut Beuß. Er gab einen guten Überblick über das, was das Bundesland in Sachen Digitalisierung derzeit auf der Agenda hat und wo bereits erste Erfolge vorzuweisen sind. So verweist er beispielsweise auf den erfolgreichen Start des Servicekonto.NRW, das von den kommunalen IT-Dienstleistern entwickelt wurde und mittlerweile seinen ersten „Geburtstag“ feiert. Mit ihm haben die Bürgerinnen und Bürger in NRW die Möglichkeit, sich online zu registrieren und die so einmal erfassten Daten für eine Vielzahl an Online-Angeboten von Städten, Gemeinden, Kreisen aber auch Landesbehörden nutzen zu können. Zukünftig soll auch der Zugang zu den Verwaltungsebenen des Bundes und der Europäischen Union möglich sein. Gemäß Herrn Beuß nähmen die Bürger das Angebot auch bereits sehr gut an.

Je mehr Dienstleistungen online zur Verfügung stehen, umso interessanter wird natürlich ein solches Bürgerkonto. In meiner Heimatstadt Berlin beispielsweise steigt die Zahl der Registrierungen auf dem im März 2018 gestarteten Servicekonto nur sehr langsam. Nicht verwunderlich, finden sich doch heute lediglich zwei (!) echte Online-Services für Bürgerinnen und Bürger auf dem Berlin-Portal (Beantragung von Anwohnerparkausweis und Kitagutschein). Sehr bescheiden für eine Stadt, die rasant die 4-Millionen-Einwohner-Marke ansteuert.

Aber zurück zu NRW, wo man schon ein paar Schritte und diverse Online-Dienste weiter ist.

e-Akte im Zeitplan

Zufrieden zeigt sich der Landes-CIO in seinem Vortrag darüber hinaus mit dem Status der e-Akteeinführung in NRW, wo nun – zeitplangemäß – die Testphase gestartet ist. Das Bundesland hat Mitte 2017 einen Rahmenvertrag im zweistelligen Millionenbereich über zunächst acht Jahre für die Einführung eines E-Akten-Systems an Materna vergeben. Die Umsetzung erfolgt gemeinsam mit seinen Partnern Ceyoniq Technology, DXC Technology und Infora GmbH.

Beuß appellierte zudem an Land, Kommunen und kommunale IT-Dienstleister, die bereits gute Zusammenarbeit weiter zu intensivieren, um arbeitsteilig beispielsweise die Anforderungen des Onlinezugangsgesetzes umzusetzen und ein Wirrwarr an Lösungen zu vermeiden. Ziel müsse sein, rasch einen Mini-Portalverbund NRW zu kreieren, der dann in einen bundesweiten Portalverbund eingebunden werden kann.

Mitbestimmung der NRW-Bürger bei Digitalstrategie

Mit dem kürzlich verabschiedeten Entwurf für die Digitalstrategie NRW, die im Anschluss an den momentanen Bürgerbeteiligungsprozess Ende des Jahres 2018 fixiert werden soll, stellt das Land NRW derzeit die „digitalen Weichen“ für die kommenden Jahre. Hier können die Bürger und Unternehmen des Bundeslandes mitbestimmen, welche auch sehr innovativen Themen zukünftig angegangen werden sollten.

Bewohnerparken-Lösung basiert auf Blockchain

Einige dieser für den Bereich öffentliche Verwaltung oft noch sehr neuen Technologiethemen und Ansätze, wie z. B. Blockchain, künstliche Intelligenz (KI), und Co-Creation wurden auch auf der Veranstaltung diskutiert. Erste Städte und Kommunen experimentieren damit. So geht beispielsweise in der Stadt Köln in Zusammenarbeit mit Materna derzeit eine Bewohnerparken-Lösung live, die auf der Blockchain-Technologie basiert.

Überhaupt präsentierte sich Köln auf dem Event als Vorreiterstadt in Sachen Digitalisierung: In einem eigens eingerichteten Zukunftslabor diskutieren und testen Verwaltungsmitarbeiter unterschiedlicher Bereiche und Ebenen neue innovative technologische Ansätze und experimentieren z. B. mit digitaler Sprachsteuerung. Zudem möchte die Stadt am Rhein den Open-Data-Ansatz verfolgen, der einen offenen Zugriff auf Daten aus der öffentlichen Verwaltung vorsieht.

Insgesamt unterstrich die Veranstaltung aus meiner Sicht die Aufbruchstimmung in Sachen Digitalisierung, die beispielsweise auch schon auf Events wie dem „Zukunftskongress Staat und Verwaltung“ oder „Digitaler Staat“ spürbar wurde – wenn auch allen Beteiligten klar ist, dass es noch allerhand Hausaufgaben zu erledigen gibt. Positiv aufgefallen ist jedoch, und daran kann sich manch anderes Land ein Beispiel nehmen, dass das Land NRW großen Wert auf eine gute Zusammenarbeit und Abstimmung mit der kommunalen Ebene legt und auch die Bürger bei der Gestaltung der Digitalstrategie mit zu Wort kommen lässt. Bleibt zu hoffen, dass vieles davon Berücksichtigung findet und die Umsetzungsgeschwindigkeit weiter zunimmt.

Foto: Messe und Congress Centrum Halle Münsterland GmbH