Microsoft Automotive Summit 2018: Hochzeit von Automobiltechnik und IT

Auf dem von Microsoft veranstalteten Automotive Summit, der am 5. Juni in München stattfand, wird deutlich, dass die digitale Transformation der Automobilindustrie voranschreitet. Die Veranstaltung war auf drei Themenbereiche fokussiert: Transformation von Produkten, Optimierung von Abläufen und Einbindung der Kunden.

Unter den von Microsoft eingeladenen Unternehmen fanden sich nicht nur OEMs und Zulieferer, sondern auch IT-Dienstleister. Diese Auswahl und die Inhalte der Vorträge spiegeln den Wandel in der Automobilbranche wider: branchenübergreifende Partnerschaften werden immer wichtiger.

Das hängt vor allem mit der sich verändernden Einstellung der jungen Generation zur Mobilität zusammen. Die sogenannten „Millennials“ wollen nicht mehr zwingend ein Auto besitzen, sondern je nach Bedarf schnell und unkompliziert Mobilitätsdienste nutzen.

Dieser Wandel hat weitreichende Folgen für den gesamten globalen Automobilmarkt. Die Veränderungen betreffen nicht nur die Geschäftsmodelle der OEMs, sondern auch die der Zulieferer, der Dienstleister und sogar die Serviceleistungen der öffentlichen Hand. Sie alle müssen sich die Frage stellen, wie sie sich in dem neuen Umfeld aufstellen und von branchenübergreifenden Partnerschaften profitieren können.

Die Bertrandt AG hat sich in diesem Umfeld klar als Entwickler von Fahrzeugkomponenten positioniert, die für das autonome Fahren und Elektromobilität benötigt werden. Auf Basis von Microsoft Azure hat das Unternehmen seine eigene Cloud-basierte „Automotive Analytics and Development Platform“ entwickelt. Damit können Fahrzeug- und Sensordaten gesammelt und analysiert sowie Funktionsalgorithmen optimiert werden.

Autonomes Fahren mit Hilfe von neuronalen Netzen

Einen interessanten Use Case im Bereich autonomes Fahren hat das Unternehmen EFS, ein Joint Venture von Audi und Gigatronik, vorgestellt. Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge ähnlich der menschlichen Wahrnehmung zu erkennen. Dabei wird der Einsatz von Deep Learning, einem Teilbereich des Machine Learning, getestet. Beim Deep Learning wird mit künstlichen neuronalen Netzen gearbeitet, um besonders effektive Lernerfolge zu erzielen. Damit die Erkennung komplexer Zusammenhänge möglich ist, sind eine Vielzahl von Daten und im Fall des autonomen Fahrens Millionen von Testkilometern notwendig. Durch die Erzeugung einer virtuellen Umgebung in der Cloud können diese Testkilometer simuliert werden. Um eine zuverlässige Erkennung zu erreichen, wurden etwa 80 % virtuelle und 20 % reale Messdaten benötigt.

Beide Beispiele belegen, dass IT und Automobiltechnik zunehmend die Vorteile und Notwendigkeit verstanden haben, in den Bereichen Connected Car, autonomes Fahren und bei der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte zusammenzuarbeiten.

Microsoft positioniert sich in der Automobilindustrie als Plattformanbieter

Auch Microsoft hat einige Projektbeispiele aus den Partnerschaften im Automobilbereich auf der Veranstaltung gezeigt. So setzt u. a. BMW auf Microsoft Azure als Plattform, um seinen Kunden personalisierte Services, auch von Drittanbietern, zur Verfügung stellen zu können. Diese Grundlage soll langfristig dazu beitragen, dass BMW seinen Kunden Services mit Mehrwert bieten kann.

Microsoft positioniert sich mit seinem Azure-Produktportfolio als Plattformanbieter bei den OEMs, Zulieferern und anderen Unternehmen innerhalb des Automobil-Ökosystems. Dabei fällt dem Fahrzeugnutzer die Marke Microsoft nur auf, wenn er Microsoft-Applikationen nutzt. Laut Microsoft soll der Fahrzeugnutzer nach wie vor das Gefühl haben, die jeweilige Car Brand Experience zu erleben und keine Microsoft Experience.

Somit bleibt Microsoft im Automobilbereich weitestgehend im Hintergrund und agiert als IT-Partner in der Branche. Deep Learning ist ein interessanter Ansatz für eine schnellere Entwicklung beim autonomen Fahren. Die Nutzung virtueller Daten und Umgebungen trägt zu mehr Zuverlässigkeit und Sicherheit bei.

Zwei Fragen blieben während des Automotive Summit jedoch unbeantwortet: Welche Services bieten dem Fahrzeugnutzer einen Mehrwert? Und wie können diese Services monetarisiert werden? Diese Fragen zu beantworten, wird die Player im Automobilumfeld in den kommenden Jahren beschäftigen.