"We are pleased, but not satisfied“: Computacenter auf Kurs im digitalen Transformationsprozess

"We are pleased, but not satisfied“: Computacenter auf Kurs im digitalen Transformationsprozess

Die Key Learnings, die wir als Analystenhaus vom „Analyst Summit“ von Computacenter mit nach Hause genommen haben, fasste bereits in der vergangenen Woche mein Kollege Nick Mayes in einem sehr lesenswerten Beitrag zusammen. In dem nachfolgenden Text möchte ich diese Analyse noch um ein paar persönliche Eindrücke ergänzen.

Hätten Sie im Jahr 2013 in Aktien von Computacenter investiert? Dies war der Zeitpunkt, zu dem Computacenter zum ersten Mal zu einem Analyst Summit lud. Das Unternehmen hatte sich zu dieser Zeit zwar bereits erfolgreich vom Reseller zum Managed-Services-Anbieter im IT-Infrastruktur-Segment entwickelt, blickte allerdings in eine unsichere Zukunft. Denn im Zuge der Digitalisierungswelle geriet der IT-Infrastruktur-Outsourcing-Markt unter Druck – eine Konsolidierung war angezeigt. Zeitgleich hatte das Unternehmen mit schwierigen Deals zu kämpfen und agierte mit einem technologiezentrischen Marktangang weniger als europäischer denn als lokaler Akteur in den angestammten Märkten.

Vor diesem Hintergrund ist die Bilanz, die CEO Mike Norris in seiner Keynote auf dem zweiten Analyst Summit vergangene Woche in Hamburg präsentierte, durchaus beachtlich: So wuchsen die Umsätze seit 2013 durchschnittlich um 5,3 %, das EBIT um 7,7% – und dies aus eigener Kraft. Der Diluted EPS als Messwert für die Profitabilität des Investments stieg dementsprechend um durchschnittlich 10,7%. Sollten Sie also tatsächlich im Jahr 2013 in Computacenter-Aktien investiert haben, so dürfen Sie sich heute über eine Verdopplung Ihres Aktienwertes freuen.

Kurzum: Computacenter hat in den letzten Monaten und Jahren offensichtlich einiges richtig gemacht. Das Analysten-Event in Hamburg verdeutlichte einige der Erfolgsfaktoren der erfolgreichen Transformation – machte aber auch deutlich, wo noch Handlungsbedarf besteht.

Zunächst zu den Erfolgsfaktoren: Wer bei dem Event ein Feuerwerk aus AI-, IoT- oder Chatbot-Speech erwartete, ging eventuell enttäuscht nach Hause. Umgekehrt halte ich genau dies – also den eher konservativen Marktangang in einem immer schnelllebigeren Marktumfeld – für einen Erfolgsfaktor. Er fußt auf einer klaren, auf die Bildung langfristiger Kundenbeziehungen ausgerichteten Strategie, die in Grundsätzen wie „Customers First“ und „Keeping Promises“ mündet. Dies ist nachvollziehbar, da Computacenter primär Großunternehmen in Europa adressiert. Angesichts der begrenzten Anzahl an Kunden – so Mike Norris sinngemäß – kann es sich der IT-Dienstleister gar nicht leisten, diese in irgendeiner Form zu „vergraulen“ oder mit visionären Strategieschwenks zu verunsichern.

Auffällig ist auch, dass es Computacenter offensichtlich gelungen ist, über Landesgrenzen hinweg eine integrierte Organisation zu formen. Die gemeinsame Klammer bildet dabei ein klar strukturiertes Portfolio, denen drei Key Propositions zugrunde liegen:

  • „DigitalMe!“ überschreibt ein Ende-zu-Ende-Set an Services, um moderne, an den Mitarbeitern ausgerichtete Arbeitsumgebungen zu schaffen.
  • „DigitalPower!“ fasst die Leistungen zusammen, mit denen Computacenter die Cloud- und IoT-Fähigkeit der Kunden unterstützt.
  • „DigitalTrust“ ist der Name des Computacenter-Portfolios im Bereich Security, wobei auch hier eine Ende-zu-Ende-Sicht, welcher sowohl die klassische als auch die Industrial IT umfasst, zugrunde liegt.

Ich selbst hatte die Gelegenheit, die Einführung von DigitalMe! im Rahmen eines Whitepapers zu begleiten. Aus dieser Perspektive weiß ich, dass die Arbeit am Portfolio und hierbei insbesondere die Ausarbeitung der Kernversprechen mehr als nur „Marketing-Gedöns“ ist. Die einzelnen Propositions liefern im Ergebnis ein nach außen und innen klares und leicht verständliches Bild, wie und mit welchen Leistungen Computacenter seine Kunden bei der Transformation unterstützen will und kann. Und sie schaffen die Basis, um aus dem operativen Geschäft heraus proaktiv die nächsten Schritte anzustoßen. Gleichzeitig bleibt ausreichend Flexibilität, um bei der Einlösung der Versprechen ausreichend auf die individuellen Kundenbedürfnisse einzugehen. Service-Industrialisierung nach Baukastensystem eben: Die zugeordneten Elemente sind überwiegend Standard, ihre Zusammenstellung erfolgt nach individuellem Bedarf.

Aufbauend darauf bieten sich zahlreiche, sehr konkrete Wachstumschancen: Die Windows 10-Migration ist in vollem Gange – wie Gabriele Ruf von Daimler im Kundenvortrag bestätigte. Nicht zu vergessen, auch der Support der alten Windows CE-Geräte, die in vielen Industrien noch als „Rockedized Devices“ zum Einsatz kommen, läuft aus. Auch der Bedarf im Bereich Security ist gewaltig und ein Ende des Wachstums derzeit nicht in Sicht. Schließlich wird beim Thema Cloud immer mehr Kunden gewahr, dass – wenn die Migration nicht ganzheitlich betrachtet und gemanagt wird – die Kosten leicht aus dem Ruder laufen. Last not least dürfte das Netzwerkgeschäft im Zuge der Cloud-Migration weiter stabil wachsen.

Vor diesem Hintergrund zeigten die Diskussionen in Hamburg einmal mehr, dass das Infrastrukturgeschäft im Zuge der Digitalisierung zwar langweilig erscheinen mag, aber durchaus Chancen bietet.

Allerdings gibt es auch Risiken: So profitiert Computacenter als Systemhaus derzeit stark von der anhaltend guten Konjunktur – ist aber gleichzeitig wesentlich von dieser abhängig. Unternehmen investieren zurzeit massiv in Technologie, wobei die „Make-or-Buy“-Entscheidung häufig zugunsten des internen Auf- bzw. Ausbaus der IT ausfällt. Beide Faktoren können sich bei wachsendem Kostendruck sehr schnell umkehren. Die Folgen einer solchen Trendumkehr wäre auch für Computacenters Services-Business spürbar, das traditionell eng an den Verkauf von Produkten gekoppelt ist. Vor diesem Hintergrund zeigt sich wiederum die Bedeutung des neu strukturierten Portfolios, das den Transformationsgedanken (und nicht die Produkte) in den Fokus stellt.

Eine echte Bremse für das Wachstum des Computacenter-Geschäfts ist der Fachkräftemangel, der derzeit in Deutschland besonders stark ausgeprägt ist und in UK im Zuge des Brexit noch zunehmen dürfte. Vor diesem Hintergrund rücken eine weitere Internationalisierung und Automatisierung der Delivery immer stärker in den Fokus. Erste Schritte hierzu wurden bereits eingeleitet: Neue Shared Service Centers, u.a. im polnischen Poznań, werden eröffnet, bestehende ausgebaut. Um strategische Lücken mit Blick auf die Service-Automatisierung zu schließen, wurde zudem im Jahr 2017 der ServiceNow-Spezialist Team Ultra hinzugekauft.

Mein Credo: Computacenter präsentierte sich in Hamburg als ein solider Akteur mit klarer Strategie und gutem Fundament, der den Herausforderungen der digitalen Transformation unaufgeregt entgegenblickt – wohlwissend, dass noch einige Aufgaben zu erledigen sind, um die Chancen zu realisieren und potenziellen Risiken zu begegnen. Mike Norris Eingangs- und Abschlussstatement „We are pleased, but not satisfied“ bringt dies perfekt auf den Punkt.