Wie sich die Schweiz zu einem Zentrum für künstliche Intelligenz entwickelt

Die Schweiz – beim Gedanken an dieses schöne Land fallen einem normalerweise immer die gleichen Dinge ein: Berge, Schokolade, Banken. Aber wie sieht’s mit künstlicher Intelligenz (KI) aus? Nein? Vielleicht momentan noch nicht, aber der Alpenstaat wandelt sich langsam zu einem der wichtigsten Zentren für die Weiterentwicklung der KI-Technologie.

PAC definiert KI als den Einsatz einer Kombination von Algorithmen, Wissensdatenbanken und neuronalen Netzen/Deep-Learning-Techniken, um menschliche Fähigkeiten in ganz verschiedenen Bereichen nachzuahmen und zu ergänzen.

Die Schweiz wurde sieben Jahre in Folge von der Cornell University, der World Intellectual Property Organization (WIPO) und INSEAD zum innovativsten Land der Welt gekürt. Daher ist es nicht allzu überraschend, dass das Land zu den Pionieren der KI-Forschung und des Einsatzes von KI zählt. Als interessante Randnotiz sei hier erwähnt, dass die Schweiz bereits die größte Zahl an KI-Firmen pro Einwohner aufweist (Quelle: ASGARD).

Google investiert in der Schweiz

Selbst Google, einer der Vorreiter der KI-Technologie, investiert hohe Summen in seinen Standort in Zürich (der größte Campus des Unternehmens außerhalb Kaliforniens), um seine Belegschaft von aktuell 2.500 Mitarbeitern um weitere 250 AI-Spezialisten zu vergrößern. Außerdem plant Google, die Mitarbeiterzahl in der Schweiz auf 5.000 zu erhöhen.

Forschung im KI-Umfeld

Darüber hinaus haben die verschiedenen Forschungseinrichtungen des Landes, wie bspw. ETH Zürich, EPF Lausanne oder das IDSIA Lab in Lugano, einen Stammplatz unter den besten technischen Instituten in Europa und sind große Anziehungspunkte für einige der klügsten Köpfe im KI-Bereich. Als Folge ist die Schweiz heute ein ernstzunehmender Konkurrent für Kalifornien im Kampf um die Technologien, Fachkräfte und Finanzmittel, die die vierte weltweite sozioökonomische Revolution antreiben.

KI im Versicherungswesen, in der Fertigung, bei Banken und in der Telekommunikation

Die Schweizer Versicherungsgesellschaft Bâloise zum Beispiel hat im Rahmen einer Partnerschaft mit dem ETH-Spin-off Veezoo einen KI-gestützten virtuellen Assistenten entwickelt. Der Versicherer erhofft sich davon effizientere Entscheidungsprozesse, bessere Marketing-Kampagnen und Vertriebsstrukturen sowie ein verbessertes Customer Relationship Management dank eines besseren Kundenservice.

Der Hersteller ABB hat Partnerschaften mit Anbietern wie IBM mit dem Ziel, ein KI-gestütztes System zu implementieren, das die Echtzeitanalyse von Produktionsprozessen ermöglicht und damit mögliche Montagefehler aufzeigt.

Eine der größten Banken des Landes, UBS, hat Pläne angekündigt, ein KI- Kompetenzzentrum in Manno zu eröffnen. In räumlicher Nähe zum weltberühmten AI Lab der Universität Lausanne konzentriert sich die Bank auf die Frage, wie mit Hilfe von KI und Big Data vorhandene Anwendungen verbessert und neue Anwendungen für die umfangreiche IT-Infrastruktur der Bank erstellt werden können.

Der Schweizer Telekommunikationsanbieter Swisscom veröffentlicht regelmäßig eine Karte der aufstrebenden und der wichtigsten AI-Start-ups des Landes. Die neueste Karte umfasst 101 Firmen in 13 verschiedenen Kategorien. Dies ist nur ein weiterer Indikator dafür, wie vor allem im Großraum Zürich aufregende neue Ideen entwickelt werden.

KI steht jedoch nicht nur für Drohnen, Robotertechnik oder autonomes Fahren. Die meisten Unternehmen – insbesondere im Mittelstand, der in der Schweiz sehr stark vertreten ist – investieren in KI-Technologie, um ihre Geschäftsanwendungen zu verbessern, und planen die Ausarbeitung einer KI-Strategie in den kommenden zwei Jahren (laut der PAC-Studie „What AI can bring to business applications”).

Empfehlungen für IT-Dienstleister

Da sich KI langsam vom Hype zum Mainstream entwickelt, sollten IT-Dienstleister über die richtigen Fähigkeiten und Ressourcen verfügen, um entsprechenden neuen Kundenanfragen begegnen zu können. Vor allem wird jedoch Beratung immer wichtiger, da viele Unternehmen unsicher sind, wie sie KI optimal einsetzen können, oder Bedenken bezüglich rechtlicher Fragen und Compliance-Themen haben.

Es ist davon auszugehen, dass dank des vorteilhaften Steuersystems in der Schweiz, des günstigen Klimas für Forschung und Entwicklung sowie der großen Zahl an Technologie-Experten in den kommenden Monaten viele weitere Projekte und Partnerschaften bekanntgegeben werden. Dies wird die Stellung der Schweiz als erstklassiger Standort für die Weiterentwicklung von KI-gestützten Technologien weiter stärken.